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Neue Abi-Konkurrenz im Westen?

Kreis sucht Standort für Sekundarstufe 2 / Eckener-Schule als Partner der Gemeinschaftsschulle Harrislee mit im Wettbewerb
 
Flensburger Tageblatt, 22.02.2011 
   
Jetzt wird es Ernst für einige Schulen der Stadt: Der Kreis will im Nordwesten, also quasi vor den Toren Flensburgs, eine bestehende Gemeinschaftsschule mit einer Sekundarstufe 2 ausstatten. Vor kurzem haben die Schulen aus Handewitt, Harrislee und Schafflund ihre Konzepte vor dem Schul- und Kulturausschuss des Kreistags vorgestellt. Vor allem Handewitt ist fest entschlossen, auf der früheren Grund- und Hauptschule das Abitur anzubieten und damit die Gemeinde aufzuwerten.
 
Doch auch Flensburg ist mit im Boot: Beim Konzept der Gemeinschaftsschule Harrislee spielt die Eckener-Schule eine tragende Rolle: „Im Schulterschluss mit dem Berufsbildungszentrum Schleswig und der Eckener-Schule könnte ein Unterrichtskonzept entstehen, das eine Verbindung zwischen den Erfahrungen aus der Gemeinschaftsschule und den berufsbildenden Schulen schafft“, sagt Harrislees Schulleiter Jürgen Bethge. Die Eckener-Schule wäre in diesem Modell mit Kollegen und Know-how dabei.

Flensburgs Bildungsbürgermeister Jochen Barckmann meint, dass es so weit gar nicht kommen muss; aus seiner Sicht ist das bestehende Oberstufenangebot in Flensburg völlig ausreichend: Vier Gymnasien, zwei Gemeinschaftsschulen und drei berufliche Gymnasien bieten das Abitur an. „Wir wollen ein breites Angebot an Profilen haben“, so Barckmann; das funktioniere nur mit vielen Schülern – darunter auch viele aus dem Kreisgebiet, die von der Vielfalt der Flensburger Schulen profitieren. Das Hauptargument einer zu geringen Abiturquote im Kreis könne als statistisches Phänomen vernachlässigt werden: Die Abiturienten würden am Schulort und nicht am Wohnort gezählt, erläuterte Barckmann.
 
Es sei besser, „regional zu denken und auf Qualität zu achten“ als konkurrierende Angebote und Überkapazitäten aufzubauen, meint Barckmann mit Blick auf die Kreis-Pläne. Schon heute werde aggressiv um Schüler geworben. Flensburg sei dabei, seine Hausaufgaben zu machen, zum Beispiel die „Synchronisierung der Lehrpläne“. Schülern aus den 10. Klassen der Gemeinschaftsschulen soll der Übergang in die Oberstufe des Gymnasiums erleichtert werden. Ob die Schülerzahlen im Nordwesten des Kreises überhaupt für eine Sekundarstufe II ausreichend sind, bleibt abzuwarten. Nach Schätzung Barckmanns müssten sich alle für das Gymnasium empfohlenen Schüler der Gemeinden westlich der Stadt für das neue Oberstufenangebot entscheiden; davon gehen aber selbst Optimisten nicht aus, weil immer eine gewisse Anzahl von Schülern direkt von der Grundschule auf ein Gymnasium wechselt.
 
Harrislee sieht sich gut vorbereitet für den Fall der Fälle. „Wir sind als Realschulstandort seit 1992 gewachsen, sind über den ÖPNV gut erreichbar und haben eine hervorragende Ausstattung“, so Bürgermeister Wolfgang Buschmann. „Wenn der Kreistag eine eigenständige Oberstufe im Kreis-Westen möchte, kann der Standort nur Zentralschule Harrislee heißen“, ergänzt Schulleiter Bethge.
  
Eine Arbeitsgruppe mit den Bildungsexperten der Kreistagsfraktionen vergleicht die Konzepte der drei Bewerberschulen. Eine Entscheidung über den Standort soll noch vor den Sommerferien fallen; ob dort dann tatsächlich eine Oberstufe eingerichtet wird, entscheidet am Ende der Bildungsminister.

sh:z/Flensburger Tageblatt/Text: Joachim Pohl vom 22.02.2011